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Physiotherapie

In folgenden Fällen ist der Einsatz von physikalischer Medizin beim Tier sinnvoll und zielführend bzw. kontraindiziert.

Physiotherapie rund um eine Operation

Bei der physiotherapeutischen Betreuung eines Patienten rund um eine Operation müssen drei Zeiträume unterschieden werden:

  1. Betreuung vor der Operation
  2. Betreuung direkt nach dem Eingriff
  3. Betreuung einige Zeit nach der Operation

Diese Einteilung ist wichtig, da man daraus ableitet, welche Therapieschwerpunkte gestellt werden bzw. welche Therapieformen man einsetzen kann.

physioVor einer Operation sollten Schmerztherapie und die Erhaltung von Gelenkbeweglichkeit und Muskulatur im Vordergrund stehen. Rechtzeitig vor einem operativen Eingriff begonnene Physiotherapie kann sogar zu einer Verkürzung der Reha-Phase nach der Operation führen, so dass der Patient schneller wieder normal belastet werden kann. In manchen Fällen können regelmäßige Reha-Maßnahmen auch dazu beitragen, anstehende Operationen hinauszuzögern (z. B. bei Hunden mit schwerer HD) oder bei leichteren Fällen diese sogar zu umgehen.

Direkt nach einer Operation (d. h. bei gutem Allgemeinbefinden des Tieres im Prinzip einen Tag nach dem chirurgischen Eingriff) besteht die Therapie aus Wundbehandlung, Lymphdrainage, Schmerztherapie und Behandlung der nicht betroffenen, aber stärker belasteten Gliedmaßen. Neurologische Defizite müssen sogar direkt postoperativ physiotherapeutisch versorgt werden. Dabei gilt, je länger man mit der Therapie wartet, desto geringer wird die Chance, dass das Nervengewebe sich wieder erholt.

Einige Zeit nach der Operation, wenn das Gewebe/Gelenk wieder ausreichend stabil ist, kann mit Narbenbehandlung und Therapieformen zur Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit und zum Muskelaufbau begonnen werden.

Physiotherapie anstelle einer Operation

Verschiedene Probleme (HD, CECS) können anstelle operativ auch zunächst physiotherapeutisch angegangen werden. Damit ist es eventuell möglich, eine notwendige Operation aufzuschieben oder sogar komplett zu vermeiden.

Schmerztherapie

Im Rahmen der Schmerztherapie wird die Physiotherapie/Rehabilitationsmedizin u. a. eingesetzt vor bzw. nach Operationen, bei chronischen Gelenkerkrankungen, Wirbelsäulenerkrankungen (z. B. Cauda-equina, Bandscheibenvorfall, Spondylosen), alten Hunden und Muskelverkürzungen. Je nach Grad der Schmerzhaftigkeit reichen bei leichten Fällen allein physikalische Maßnahmen (bestimmte Verfahren aus dem Bereich der Physiotherapie, Akupunktur, Neuraltherapie) aus, im fortgeschrittenen Schmerzstadium können diese auch mit einer medikamentösen Therapie unterstützt werden. Eventuell besteht dann im Rahmen einer regelmäßigen physiotherapeutischen Betreuung des Tieres die Möglichkeit, Medikamente zu reduzieren oder sogar vollständig abzusetzen.

Übrigens: Beim Arthrose-Patienten sind meist nicht nur befallene Gelenke, sondern auch die überlastete und verhärtete Muskulatur extrem schmerzhaft!

Ist eine zufriedenstellende Schmerzreduktion erreicht, kann mit gezieltem Muskelaufbautraining begonnen werden, um erkrankten Gelenken wieder zu mehr Stabilität zu verhelfen.

Behandlung neurologischer Patienten

Patienten mit Nervenschädigungen sind stark auf Physiotherapie angewiesen. Häufig ist dies sozusagen „die letzte Chance“ für das Tier. Dabei erfolgen v. a. Nervenstimulation, Muskelaufbau und motorisches Lernen. Koordinationsstörungen erfordern Gangschulung und Koordinationstraining. Hier ist zum Beispiel der Bandscheibenvorfall zu nennen, je nach Schwere des Falles mit oder ohne Operation. Aber auch Tiere mit Nervenschädigungen (z. B. aufgrund von Unfällen), die nicht operativ angegangen werden können, haben durch eine physiotherapeutische Betreuung bessere Chancen (u. a. Radialislähmung oder “Kippfensterkatzen“).

Prophylaxe

Im Rahmen der Prophylaxe stehen Kräftigung von Muskulatur und Bändern, Gangschulung, Verbesserung der Beweglichkeit und Ausdauer im Vordergrund. Alte Hunde werden dadurch natürlich nicht mehr zum Welpen, aber man kann durchaus eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen. Das Risiko eines Rückfalls bei Bandscheibenvorfall gefährdeten Patienten wird reduziert und junge Hunde mit HD bekommen im Alter später (oder nie) Probleme. Außerdem können übergewichtige Patienten durch schonende Bewegungstherapie bei der Gewichtsabnahme unterstützt werden.

Betreuung sportlich aktiver Hunde

Bei sportlich aktiven Hunden kann durch Physiotherapie das Risiko von Verletzungen verringert und dem vorzeitigen Alterungsprozesse der Gelenke vorgebeugt werden. Unter anderem ist ein gezieltes „warm up“ und „cool down“ im Wettkampf von großem Nutzen, denn es beugt Verletzungen effektiv vor.

Indikationen für den Einsatz physikalischer Medizin beim Kleintier

  • Altersbeschwerden
  • Arthritis/Arthrose
  • Ataxien (Koordinationsstörungen)
  • Bandscheibenvorfall
  • CECS (Cauda-equina Compressions Syndrom)
  • Ellbogendysplasie (ED)
  • Frakturen (Knochenbrüche)
  • Gliedmaßen Amputation
  • Hämatom (Bluterguss)
  • Hüftgelenksdysplasie (HD)
  • HWS-Syndrom (Halswirbelsäulen-Probleme)
  • Kippfensterkatzen
  • Kreuzbandriss
  • Luxation („Ausrenkung“ eines Gelenkes oder der Kniescheibe)
  • Muskelabbau/Muskelatrophie
  • Muskelfaserriss
  • Muskelkontrakturen
  • Muskelverspannungen und Myogelosen (lokale Muskelverhärtungen)
  • Narben
  • OCD (Knorpelentwicklungsstörung)
  • Ödeme
  • Paresen, Paralysen (Lähmungen, z. B. Radialislähmung)
  • Patellaluxation (Herausspringen der Kniescheibe)
  • Prellungen
  • Sehnenentzündung, Sehnenscheidenentzündung
  • Spondylarthrosen (Arthrose der kleinen Wirbelgelenke)
  • Spondylosen (Knochenspangen an den Wirbeln)
  • Verstauchung
  • Wobbler-Syndrom (Missbildungen im Bereich der Halswirbelsäule)
  • Wundheilungsstörungen

KONTRAINDIKATIONEN

Physiotherapie darf nicht bzw. nur begrenzt eingesetzt werden bei schweren Herzerkrankungen, Tumorerkrankungen und Infektionskrankheiten. Daneben gibt es Erkrankungen wie Hauterkrankungen, lokale Entzündungen und Lebererkrankungen, bei denen bestimmte Techniken von der Anwendung ausgeschlossen sind.